Heute ist ein emotional sehr anstrengender Tag. Beim
Morgenbriefing geht’s noch und zum Glück wurden wir „Abreiser“ fast vergessen
und nicht nach vorne gerufen sondern unsere Abreise nur erwähnt und kurz mit
Applaus bedacht.
Wesentlich schwieriger wird es dann beim Morgenlobpreis derTagelöhner. Der wundervolle, von Herzen kommende Gesang dringt einfach zu tief. Da werden meine Augen schon sehr feucht. Dann weist der Vorarbeiter darauf hin,
daß bei Beginn der Arbeiten für diese Anlage zu Gott gebetet wurde, daß diese
Anlage nie einen Ebolapatienten sehen soll. Nun seien die Gebete erhört worden,
und durch die SITTU eine Einrichtung geschaffen worden, bei der Menschen mit
anderen Krankheiten Heilung finden sollen. Im daran anschließenden Gebet betet
er auch für uns auswärtige Helfer – wie jeden Tag. Ich fühle mich hier
tatsächlich sehr gesegnet und wünsche diesen wundervollen Menschen noch viel
mehr Gebetserhörungen!
Immer wieder höre ich heute (wie schon seit Tagen, aber
heute verstärkt) „We will miss you!“. Ohja, ich werde sie alle auch vermissen.
Und wie! Ansonsten hetze ich hin und her. Überwiegend wegen der neuen
Mitarbeiter. Von der laufenden Übung der
Aufnahme von Patienten kriege ich nur peripher etwas mit. Reginas Lob unserer
Truppe hatte ich erwarte, freut mich aber ungemein. Die werden das hinkriegen –
auch wenn ich sie sehr gerne noch ein bis zwei Wochen begleitet hätte. Die
packen das!
Vor der Anlage spricht mich eine Frau an, die eine
Anstellung will. Sie habe heute Morgen den herumliegenden Müll vor der Anlage
aufgelesen. Sie sei von den anderen Wartenden dafür ausgelacht worden, weil sie
das ohne Auftrag und ohne Bezahlung macht. Ob ich denn nichts für sie tun
könnte, da sie für ihre zwei Kinder zu sorgen hat. Mir fällt ein, daß ich für
den anstehenden Dreischichtbetrieb bisher nicht an die dann notwendige
Aufstockung der Reinigungskräfte gedacht hatte. Ich spreche mit den HR-Leuten
und kann ihr mitteilen, daß sie ab Freitag bei uns arbeiten kann. Und wieder
rührt mich diese Dankbarkeit in ihrem Blick fast zu Tränen. Vielen anderen muß
ich aber auch absagen. Hier liegen Freud und Leid sehr eng beieinander.
Heute bin ich einer von Vieren, denen die abendliche
Abschiedsformation gilt. Noch einmal Abschied nehmen – Ellbogen an Ellbogen.
Der Ebolagruß gilt nach wie vor. Dann geht es durch das Spalier aller Kollegen
von DRK und Bundeswehr ab in Richtung Flughafen. Ich nehme nochmals die
Eindrücke, die Landschaft, die Menschen und ihre Siedlungen entlang der Straße
auf – und auch den Verkehr. Am Flughafen nochmals eine Temperaturmessung. 36,5
– reicht nicht zum Hierbleiben. :-)


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