Freitag, 9. Januar 2015

09.01.15 - In flagranti

Für Vormittags bittet uns Tobias, einer der Bundeswehrärzte, nochmals zur Klinik von vorgestern zu fahren, um das Zelt zu versetzen. Der heutige Fahrer heißt Joseph und ist der „Cheffahrer“. Auch er macht „die dritte Spur auf“ um am Stau vorbeizufahren. So schade, daß wir Auslandshelfer nicht selber fahren dürfen...

Für 11:30 Uhr habe ich ein Skype-Interview mit dem Südwestfunk Fernsehen vereinbart. Es funktioniert via Handy ganz gut und wird auch am selben Abend in der Landesschau ausgestrahlt.



Als ich an der Toilette vorbeikomme, erwische ich doch tatsächlich in flagranti einen „Dusche-Pinkler“. Ich stelle ihn zur Rede, da er meine diesbezügliche Ansage schon mindestens drei mal gehört haben müsste. Wenn ich ihn richtig verstanden habe, war er der Meinung, das Loch im Boden sei fürs Urinieren da, die Latrinen nur fürs „große Geschäft“. Wir müssen das wohl jeder Gruppe und jeder Schicht nochmals erklären...

Ich schreibe das nicht, um die Menschen hier bloßzustellen. Ich arbeite sehr gerne mit den Liberianern hier zusammen und wir lernen viel voneinander und haben viel Spaß zusammen. Was den hygienischen Bereich betrifft, müssen wir in unserer ETU aber auch gewisse Mindeststandards sicherstellen, weil wir ja genau die Verbreitung von Infektionskrankheiten verhindern wollen. Es ist von unserer Seite einfach falsch, vorauszusetzen, die Menschen hier würden wie wir denken – und wenn tatsächlich nur ein Viertel der Mitarbeiter hier Zugang zu einer Toilette hat (und wenn es die Hälfte sein sollte und Juway sich verschätzt hat), müssen wir unsere lokalen Helfer dahingehend schulen.  Und ich habe nur noch 10 Tage hier...

Für nachmittags vereinbaren wir einen Besuch im nahegelegenen „Logistic Hub“, dam zentralen Materiallager der Hilfsorganisationen. Beeindruckend, was da aus aller Welt an Waren zusammenkam: Güter aus Japan, Australien, USA und vielen weiteren Ländern. Auch Paletten vom Österreichischen Roten Kreuz sind dabei. Wir stellen zusammen, was wir für unsere Einrichtung noch benötigen.


Auf der Fahrt zum Hub sehen wir von der chinesischen ETU her zwei Helfer in Vollschutzanzügen die Straße entlang rennen. Sie verfolgen wohl einen entlaufenen Patienten. Ebenso eilt Security-Personal mit gezückten Schlagstöcken dazu. Die zwei in Schutzkleidung ergreifen einen Mann, der versucht hat, sich im kargen Gebüsch zu verstecken und führen ihn wieder zurück zur ETU. Ebola ist noch nicht ganz vorbei.

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