Montag, 12. Januar 2015

12.01.15 - Team Spirit und ein böser Ausreißer

Die Teams wachsen langsam zusammen. Josephs Team beginnt die Schicht inzwischen mit einem gemeinsamen Gebet. Kaum ist dieses mit einem gemeinsamen „Amen“ beendet höre ich die Techniker ein Lied singen. War wohl für Markus und Stefan zum Abschied. Jedenfalls freue ich mich sehr, daß sich der Teamgedanke langsam überall durchsetzt. Da viele unserer lokalen Helfer zuhause wohl keinen Strom haben oder für diesen einen Generator anwerfen müssen, sind die Steckdosen auf unserem Gelände immer ganz schnell mit Handys belegt. Aber es kam noch nie eines weg! Das finde ich ein tolles Zeichen.

Für heute hat sich auch das Personal des Krankenhauses angesagt, das durch die Bundeswehr in einigen Bauangelegenheiten unterstützt wird. Heute und morgen sollen jeweils rund 10 Ärzte und Pflegekräfte eine Ausbildung im Umgang mit der Schutzkleidung und mit Infektionspatienten erhalten. Natürlich gibt es ein Mißverständnis, so daß sie ordentlich zu spät auf dem Platz ankommen. Macht nix. Ist eben Afrika. Uns wird so auch nicht langweilig. Stetige Lage- oder Programmänderungen haben wir eh jeden Tag. Nebenbei erledige ich noch ein paar administrative Dinge.

Gegen Abend überhole ich auf dem Weg ins Büro einen der Tagelöhner. Er führt eine unserer orangefarbenen „Bio-Hazard“-Tüten mit sich. Ich spreche ihn darauf an, daß es momentan keine gute Idee ist, mit so einer Tüte herumzulaufen. Er entgegnet, er habe sie eben im Müll gefunden.

IM MÜLL! ....

 Jetzt läuten bei mir alle Alarmglocken. Ich fordere ihn auf, die Tüte mir zu geben und erkläre ihm warum. Er will sie selber zurückbringen. Ich begleite ihn und er geht zielstrebig in die Garderobe, wo er den Inhalt herausnehmen will. Ich untersage es ihm, will ihn daran hindern, als die Tüte reißt und  fünf Flaschen Mineralwasser herauskullern. Sie wollen nach den Flaschen greifen – jetz greift nur noch die Notbremse in Form eines lauten „Stop!“ meinerseits. Scheinbar verstehen sie es in diesem Fall nur auf die laute Art. Also mache ich ihnen begreiflich, daß wir hier sind um Ebola zu bekämpfen und daß sie durch dieses Verhalten potentiell infektiöses Material verstreuen. Ich packe die Flaschen in eine andere Tüte, trage sie zum Verbrennungsmüll und lasse den Fußboden mit Chlorlösung absprühen. Auch wenn die Patientin gestern an Ebola erkrankt gewesen wäre, hätte das Virus ziemlich sicher die 24 Stunden  nicht überlebt. Aber  hier düfen wir einfach nicht nachlässig sein oder leichtsinnig werden.

Abends treten alle, wie inzwischen jeden Montag und Donnerstag zur Verabschiedung von Abreisenden an. Mir wird bewußt, daß übernächstes Mal bereits meine Verabschiedung dran ist.  

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