Die Teams wachsen langsam zusammen. Josephs Team beginnt die
Schicht inzwischen mit einem gemeinsamen Gebet. Kaum ist dieses mit einem
gemeinsamen „Amen“ beendet höre ich die Techniker ein Lied singen. War wohl für
Markus und Stefan zum Abschied. Jedenfalls freue ich mich sehr, daß sich der
Teamgedanke langsam überall durchsetzt. Da viele unserer lokalen Helfer zuhause
wohl keinen Strom haben oder für diesen einen Generator anwerfen müssen, sind
die Steckdosen auf unserem Gelände immer ganz schnell mit Handys belegt. Aber
es kam noch nie eines weg! Das finde ich ein tolles Zeichen.
Für heute hat sich auch das Personal des Krankenhauses
angesagt, das durch die Bundeswehr in einigen Bauangelegenheiten unterstützt
wird. Heute und morgen sollen jeweils rund 10 Ärzte und Pflegekräfte eine
Ausbildung im Umgang mit der Schutzkleidung und mit Infektionspatienten
erhalten. Natürlich gibt es ein Mißverständnis, so daß sie ordentlich zu spät
auf dem Platz ankommen. Macht nix. Ist eben Afrika. Uns wird so auch nicht
langweilig. Stetige Lage- oder Programmänderungen haben wir eh jeden Tag. Nebenbei
erledige ich noch ein paar administrative Dinge.
Gegen Abend überhole ich auf dem Weg ins Büro einen der
Tagelöhner. Er führt eine unserer orangefarbenen „Bio-Hazard“-Tüten mit sich.
Ich spreche ihn darauf an, daß es momentan keine gute Idee ist, mit so einer
Tüte herumzulaufen. Er entgegnet, er habe sie eben im Müll gefunden.
IM MÜLL! ....
Jetzt läuten bei mir
alle Alarmglocken. Ich fordere ihn auf, die Tüte mir zu geben und erkläre ihm
warum. Er will sie selber zurückbringen. Ich begleite ihn und er geht
zielstrebig in die Garderobe, wo er den Inhalt herausnehmen will. Ich untersage
es ihm, will ihn daran hindern, als die Tüte reißt und fünf Flaschen Mineralwasser herauskullern. Sie
wollen nach den Flaschen greifen – jetz greift nur noch die Notbremse in Form
eines lauten „Stop!“ meinerseits. Scheinbar verstehen sie es in diesem Fall nur
auf die laute Art. Also mache ich ihnen begreiflich, daß wir hier sind um Ebola
zu bekämpfen und daß sie durch dieses Verhalten potentiell infektiöses Material
verstreuen. Ich packe die Flaschen in eine andere Tüte, trage sie zum
Verbrennungsmüll und lasse den Fußboden mit Chlorlösung absprühen. Auch wenn
die Patientin gestern an Ebola erkrankt gewesen wäre, hätte das Virus ziemlich
sicher die 24 Stunden nicht überlebt.
Aber hier düfen wir einfach nicht
nachlässig sein oder leichtsinnig werden.

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